Tatsachen, die nie einer aussprach, sind nun also belegt! Sehr gut! Die Zeiten, dass man sich als 23jähriger für dieses Hobby schämen musste sind also offiziell vorbei. Nur die Medien werden das nicht verstehen und Videospiele weiterhin als Instrument der Gewalt sehen und nicht als eine Art der Unterhaltung, wie sie erwachsene Menschen in Form von anderen Medien (Internet, TV, Buch...) bereits konsumieren. Das "Kinderspielzeugdenken" wird man aus den älteren Generationen wohl auch nicht mehr herausbekommen können. Die Klischees wohl weitgehend auch nicht, ganz einfach auch deshalb, weil Videospiele ab einem gewissen Alter, so wie es auch in der Umfrage steht, zum Tabuthema werden. Unsere Generation ist so ziemlich die erste, die in vollem Kontakt zu diesem neuen Medium aufgewachsen ist. Und wir müssen jetzt was daraus machen, um Videospiele offiziell gesellschaftsfähig zu machen. Es ist wohl ein bisschen wie das Lesen der "Bild": Offiziell bekennt sich keiner dazu das Schundblatt zu lesen, die Auflagenzahlen bewegen sich dennoch in schwindelerregenden Höhen.
Ein Aspekt beschäftigt mich noch, alleine schon aus persönlichem Interesse: Bei den Untervierzehnjährigen sollen also Lehrer und Erzieher mit erforschen, wie die videospielende Jugend sich verhält. Unter Lehrern genießt das Medium Computer- und Videospiele ja nicht unbedingt den besten Ruf. Das liegt meines Erachtens auch daran, dass sie sich nicht ernsthaft mit dem Thema auseinandersetzen, obgleich es mehr zur Lebenswelt eines Schülers gehört wie beispielsweise das Lesen. Nein, stattdessen wird dieses Hobby als Aufruf zur Gewalt angesehen und als sinnloser Zeitvertreib abgetan. Gerade heute hatte ich ein Seminar an der Uni, in dem ein Film gezeigt wurde. Es handelte sich dabei um die Aufzeichnung einer Vorlesung. Sinngemäß meinte der Herr Folgendes:
"Bach und Mozart konnten ihre durchaus vorhandene Begabung nur deswegen ausleben, weil sie vom Vater gefördert wurden. Damals gab es kein Nintendo und keine Computerspiele und da wurde auf solche Begabungen mehr wert gelegt, sodass ein Kind diese entfalten konnte..."
Diese Aufzeichnung war noch nicht alt, höchstens vielleicht zwei, drei Jahre. Aber als der Satz fiel, fragte ich mich, wieso nicht auch das videospielende Kind fördern? Dabei schiele ich nicht einmal auf die wenigen Leute, die damit sogar Geld verdienen, ich denke eher an daran den Kindern das Erleben einer Spielewelt zu ermöglichen, es mit den Aufgaben zu konfrontieren, es taktieren und agieren lassen um so vielleicht ganz andere Begabungen freizulegen und zu fördern? Das Medium "Videospiel" findet im Unterricht bislang nur insofern Berücksichtigung, dass Kinder und deren Eltern ermahnt werden, übermäßigen Konsum zu unterbinden. Würde man einem Kind aber auch übermäßigen Buchkonsum verbieten? Die Frage sollte eher sein, wie man das Medium vielleicht in den Unterricht integrieren könnte um so auch den richtigen Umgang damit zu erlernen!
Ich bin ja angehender Lehrer und zudem, vielen hier sicher nicht unbekannt, auch Videospieler (wer hätte es gedacht...)! Ich stelle mir diese Frage ständig, wage sie aber nicht wirklich auszusprechen. Pädagogen schlackern regelrecht mit den Ohren wenn der Begriff "Playstation" auch nur fällt. Dabei ist dieses Medium ja doch weitgehend unerforscht. Aber im Rahmen einer kindlichen Pädagogik ein absolutes Tabuthema, in der Schule sowieso, denn: "Mit Videospielen befassen sich die Kinder ja in ihrer Freizeit!" Aber befassen sie sich damit auch richtig? Es werden immer nur die Nachteile gesehen, die Vorteile konsequent verschwiegen. Umdenken ist auch hier nötig, bei anderen Medien und in der Gesellschaft!
MfG,
Crayfish